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Wie weiter mit Europa?

Dieses Thema im Forum "Aussen- und Europapolitik" wurde erstellt von streifentier, 5. 11. 2011.

Wie weiter mit Europa? 3.7 5 6votes
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  1. streifentier

    streifentier svp

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    Mit dieser Diskussion möchte ich den Faden aufnehmen Marti20_4 und Vox borealis und ihre – richtigen Aussagen weiterführen…

    Zitat von Marti20_4:
    Die EU ist und bleibt ein Fehlkonstrukt, dumm ist nur das wir genau so drinhängen, ob wir wollen oder nicht...

    Zitat von Vox borealis:
    Wenn es eine Alternative geben soll, dann müssen wir die Initiative dazu ergreifen. Z.B. dann wenn Island die EU-Mitgliedschaft in der Volksabstimmung ablehnen sollte. In UK sind schon mehrere konservative Politiker mit Rang und Namen für einen Austritt. Weitere, die sich dem anbahnenden Diktat von D und F nicht unterordnen wollen, kämen für ein neues europäisches Bündnis ebenso in Frage. Solche etwa, die eben gerade in Cannes von Merkel und Sarko gedemütigt wurden.

    Ich sehe da zwei mögliche Ansatzpunkte:

    Wiederbelebung der EFTA mit dem Ziel gemeinsamer Markt, aber ohne politische Bevormundung. Wie realistisch sowas ist, ohne gemeinsame Regierung, Währung und vor allem Gesetzen und Steuern, ist allerdings schwer zu sagen. Mindestens technische Gesetze (Normen) könnten sicherlich mit relativ wenig Opposition an eine supranationale Behörde delegiert werden.

    United States of Europe. Auch wenn's den einen oder anderen überraschen mag. Ich mag die Idee schon seit Jahren lieber, dass man den Leuten endlich reinen Wein einschänkt und sie vor die Frage stellt: Wollt ihr die vereinigten Staaten von Europa? Dann mit schlanker(!) Zentralregierung und angemessenem Föderalismus, aber als transparenter, demokratischer Staat. Finde ich die sauberere Lösung als dieser undemokratische, intransparente Bürokratenmoloch.

    Meiner Meinung nach kann man's drehen und wenden wie man will: Die EU in dieser Form ist gescheitert. Es bleibt die Frage im Raum, ob ein mehr oder weniger erzwungener europäischer Einheitsstaat überhaupt erstrebenswert ist. Wäre diese Gleichmacherei nicht eine Art kultureller Holocaust? Die Völker Europas sind nunmal sehr verschieden, ein Zusammenpressen scheint nicht der richtige Weg zu sein.

    Die EU ist halt auch aus anderen Gründen gescheitert. Hier wurde versucht, von „oben herab“ und von einem zentralen Punkt aus eine Art Kolonialherrschaft zu begründen. Strategische Mittel der EU waren von Anfang an Arroganz, Anmassung und Erpressung. Das bekommt die kleine, erfolgreiche Schweiz natürlich ganz besonders zu spüren, doch auch ihre „Mitglieder“ sind nicht davor gefeit. Die masslose Selbstüberschätzung kommt ja schon in der Sprache zum Ausdruck: Man masst sich an, den Begriff „Europa“ für sich zu reklamieren. Dabei ist der Vielvölkerkontinent Europas sehr viel mehr als dieser unsägliche Moloch! Europa ist die Wiege zahlreicher edler Kulturen der Welt (Churchill in Zürich). Auch das anmassende Geschwätz, dass „nach“ der EU Choas, Krieg und Steinzeit käme löst nichts als Abwehrreflexe aus. Europa hat den Irrläufer EU nicht verdient! Entsorgen wir diesen Blindgänger auf dem Müllhaufen der Geschichte! Dann wird der Weg frei für etwas Gutes! Ich hoffe, wir werden den Zusammenbruch dieser Axenmächte noch erleben dürfen. So schlimm wie die Nutzniesser schreien wird das nicht werden!
     
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  2. Alexander

    Alexander Parteilos

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    AW: Wie weiter mit Europa?

    Also grundsätzlich sehe ich zur Zeit vor Allem zunächst einmal den EURO gescheitert (oder zumindest kurz davor) - und noch nicht die EU.

    Die Gründe wieso der Euro gescheitert ist sind klar - es ist exakt das eingetreten, weswegen die europäischen Linken den Euro bereits vor dessen Einführung abgelehnt haben. Es wurde seinerzeit auch eindringlich davor gewarnt - aber Kohl und seine Blindgänger-Kollegen wollten natürlich von alldem nichts wissen.
    (Das streiten inzwischen ja sogar konservative Publizisten wie Schirmacher nicht mehr ab, wenn sie zugeben, dass niemand bestreiten könne, dass die Linke bereits damals gesagt habe, was heute jeder sehen kann.)



    Dass mit dem (beinahe) Scheitern des Euro natürlich auch die EU vor riesige Probleme gestellt wird ist klar. Und die EU hat auch unabhängig das Scheitern des Euros grosse Probleme.

    Eines dieser grossen Probleme ist sicherlich einmal wirtschaftlicher Natur: Man hat es nicht geschafft (und auch nicht ernsthaft versucht) einen richtigen Binnenmarkt aufzubauen. Dies ist auch einer der Gründe, wieso es so vorhersehbar war, dass der Euro in die Krise geraten würde.

    Ein anderes Problem ist dasjenige der Identität: Die EU hat es nicht geschafft, ihren Bürgern eine europäische Identität zu vermitteln, welche gleichstark oder stärker wirkt, als deren nationale Identität. Dadurch ist die Unterstützung für das Projekt in der Bevölkerung nie wirklich gross geworden. Die EU hat sich quasi als kaltes, wenig greiffbares Bürokratengebilde über den Kontinent gestülpt, ohne dabei daran zu denken, dass die Bevölkerung (insbesondere natürlich die Bevölkerungsmehrheit, die sich kaum mit Realitäten auskennt) etwas greiffbares und erlebbares braucht... irgend einen Mythos.
     
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  3. Martina

    Martina

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    AW: Wie weiter mit Europa?

    Sie glauben aber nicht im Ernst, dass das die EU jemals schaffen könnte?
     
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  4. Alexander

    Alexander Parteilos

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    AW: Wie weiter mit Europa?

    Nein, das glaube ich nicht. Zumindest halte ich es für ziemlich unwahrscheinlich.

    Das ist auch nicht weiter schwer zu erklären:
    Während die gebildeteren Bevölkerungsschichten ohnehin wenig auf solche Mythen geben, sind die Bildungsfernen Mehrheiten in der Regel überweigend im Griff der EU-Gegner, welche natürlich lieber ihre nationalen Mythen propagieren.

    Die Möglichkeit würde höchstens dann plausibel, wenn man dringendere äussere Feinde und Gegner konstruieren könnte, gegenüber denen man sich als 'Europa' (Wiege der Kultur, oder was weiss ich) positionieren könnte (z.B. USA, ein wiedererstarkendes Russland, China..)
    Momentan sehe ich da aber wenig am Horizont.
    Wie gesagt, die Eliten in der EU sind sich vielleicht auch zu wenig bewusst, dass sie in der momentanen Lage auch die primitiven Instinkte der Volksmehrheit bedienen müssen, um langfristig Erfolgreich sein zu können.
     
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  5. Sandra

    Sandra

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    AW: Wie weiter mit Europa?

    Naja hier die USA als beispiel zu nennen, dieser Staat ist ja über Jahrhunderte gewachsen, und hat sich nicht erst dann zusammen gerauft als die bösen Komunisten gekommen sind. Zudem ist ein Texaner auch heute noch zu aller erst ein Texaner, und für New Yorker und sonst wenn gild das auch noch.

    Und die EU ist einfach viel zu jung als das sie überhaupt annähernd eine nationale Identität ersetzen könnte.

    Aber meiner Meinung nach wird im Moment etwas zuviel auf der EU herum gehackt. Klar man hat massive Probleme im Moment. Aber unterm Strich sind auch ein paar Dinge vorzuweisen die man nicht einfach so schlecht machen kann. Osteuropa hat sich von Russland abgewendet und hat erfolgreich den Anschluss gefunden. Dass dies die entwickelten Länder belastet stimmt zwar, aber grad auch die Schweiz hat vom Boom in Osteuropa ja auch profitiert. Da wird Infrastruktur benötigt und konsumiert. Das ganze wär ja garnicht so schlecht raus gekommen wenn man sich nur an die Mastrichtkriterien gehalten hätte.

    Und auch die Schweiz sollte sich nicht zu weit aus dem Fenster raus lehnen. In den 90er Jahren gabs hier auch kaum Wachstum und die Schulden sind explodiert, das hat man erfolgreich korrigiert, dass kann auch jedes andere Land schaffen und dannach wieder boomen. So z.B. die Türkei oder Argentinien.

    Die EU wurde ja doch auch dazu gegründet um ein Gegengewicht zur übergrossen USA zu haben, um gemeinsam auf zu tretten gegen aufstrebende Länder wie China oder Indien. Das diese Meinung nicht immer einheitlich ist, liegt halt in der Natur der Sache.

    Im Moment wird ziehmlich nach dem weissen Ritter aus China gerufen, dabei scheint man gerne zu verdrängen das auch China stark verschuldet ist, da wird einfach alles unter Deckel behalten. Und auch in China tickt die dekratische Bombe, und soziale Unruhen werden immer häufiger. Man höhrts hier einfach kaum.

    Würden Italien, Frankreich und Spanien mal ernsthaft den Arbeitsmarkt liberalisieren und die Bürokratie abbauen, würde das Wachstum da gleich einen Sprung nehmen, da bin ich mir ziehmlich sicher. Aber wenn man ein Jahr lang warten muss, bis man ein Geschäft aufmachen kann, und dann auch noch 90 % abliefern muss, kein Wunder tut sich da nicht viel.
     
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  6. Beat

    Beat Parteilos

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    AW: Wie weiter mit Europa?

    Im Gegensatz zu Dir sehe ich da schon einen äusseren Feind: China!

    Ich sehe, wie der Chinahandel in Afrika überhand nimmt und mit welchen Methoden einheimische Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft kaputt gemacht werden, weil einzelne Länder alleine nichts dagegen tun können. Da könnte die supranationale Organisation schon nützlich werden und ein gemeinsames "Feindbild" konstruieren.

    Interessant, dass Du diese Rede ansprichst. Churchill hat nämlich in eben dieser Rede die Vision der Bildung der Vereinigten Staaten von Europa, oder sowas ähnliches, vorgeschlagen.
    :rolleyes:
     
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  7. Vox borealis

    Vox borealis Parteilos

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    AW: Wie weiter mit Europa?

    Bist du Mitglied in der Partei der arrivierten Akademisierten, genannt SPS? Dort denkt man heute leider Gottes so. Und die sog. Eliten Europas mit ihnen. Sie misstrauen den Menschen, die sie vorgeben im besten Wissen und Gewissen zu vertreten. Und haben dabei ein Riesenfiasko verursacht, das Generationen nach uns zu bezahlen haben.

    Merke, Alexander: Auch weniger Gebildete können sich eine ausgewogene politische Anschauung bilden. Sind sie doch überwiegend rechtschaffene Bürger. Deiner Ansicht nach müsste man sie wohl besser bevormunden?

    Einen feuerroten Daumen :daumenunt nach unten zu deinem Statement!
     
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