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Wahljahr 2011: Wird der Super-GAU in Japan zum Super-GAU für die SVP?

Dieses Thema im Forum "Atompolitik" wurde erstellt von Ockham, 15. 03. 2011.

Wahljahr 2011: Wird der Super-GAU in Japan zum Super-GAU für die SVP? 4.3 5 4votes
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  1. Ockham

    Ockham

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    Böse gesagt:
    Je schlimmer das Atom-Ausmass in Japan wird, je besser für die Grünen/Linken. Bei all der Tragik, dürfte dies aber punkto (Schweizer) Politik 2011 genau der Fall sein. Während Jahren standen Grüne/Linke mit ihrer Haltung punkto Atom-Energie weitgehend als Schwarzmaler, Miesmacher und gar als Lügner auf der Politebene. Doch plötzlich ist
    Realität geworden - zwar nicht direkt vor der Haustüre, aber dennoch Realität in einer der technisch am besten gerüsteten & vorbereiteten Nationen der Welt.

    Natürlich heisst es jetzt nicht, Schnellschuss-Aktionen zu lancieren und kopflos rumrennen. Nichtsdestotrotz werden die Bilder und Ereignisse alle im Gedächtnis bleiben - die Medien werden brav mithelfen. Und die beissende Frage „Was wäre wenn?
    Die
    ist dahingehend unbändig und immun. Die Furcht vor einem emotionalen Komplettverlust des Heims UND der Heimat sind SEHR starke Gefühle - die wirken tief und lange nach.

    Links-Alternative Ideen und Konzepte bezüglich Atom-Ausstieg, alternativen Energieoptionen und generellen Grundsätze der Energie- und Gesundheitspolitik werden in der Bevölkerung wohl fast explosionsartig Anklang finden und zu Zentralthemen 2011 werden. Durchaus auf der polemisch-plakativen Ebene, eröffnet sich ein grosses Potential zum Abholen von verängstigten/empörten/unsicheren Bevölkerungsteile. Nur hat die SVP hier für einmal keinen Handlungsspielraum - Ii Fragen der Energie ist ihre Haltung „dummerweise" schon klar gesetzt: Bedingungsloses JA zu AKWs. Doch wie kann die SVP diese - im Wahljahr zweifellos essentielle - Haltung dem Volke verkaufen? Sie wird sich in der völlig ungewohnten Position der Beschwichtigerin wiederfinden - Schock 1. Sie muss Argumente liefern - sachliche Argumente - Schock 2. Frei von dumpfen Emotionen, hingegen werden Rationalität und komplexe Realitätszusammenhänge dargelegt werden müssen; plumpe Stammtischparolen werden hier nicht helfen - Schock 3.

    Deutschland reagiert bereits entschlossen, Frankreich noch am Werweissen, die Schweiz am Abwarten und Zuschauen. Alles mag seine Berechtigung haben.
    lautet das Zauberwort der Stunde. Doch wie werden die Parteien vorgehen?

    Können die Linken die Steilvorlage politisch nutzen? Sinnvoller-, aber unbequemer- und ungewohnterweise müsste/sollte dies über politische Polemik und Emotionalisierung passieren. Wählerzuwachs der Grünen auf Bundesrats-Anspruch-Niveau? Kann die SP damit gar das prognostizierte Wahldesaster 2011 abwenden?
    Wie werden die Mitte-Parteien damit umgehen? Abwarten und nichts tun (und nichts bekommen)? Ist es gar die Stunde der Grün-Liberalen?
    Wie handelt die SVP? Ihre Pro-Atom-Haltung durchziehen, wie wenn nichts gewesen wäre? Auch gegen Bürgerängste? Vielleicht wäre daher ne abrupte Meinungsänderungspolitik (fürs Wahljahr) doch sinnvoller? Zumal ja vermehrt auch die Bauernschaft und die KMUs die Vorteile und Potentiale regionaler, alternativer Energien für sich erkennen.

    Der Meinungs-Tsunami ist erst im Anmarsch auf die Schweiz: Die Atom-Frage wird DIE Diskussionsfrage der nächsten paar Monate in der Schweiz werden. Bis zu den Wahlen ist ja noch etwas Zeit und Abstimmungen gibt es auch keine relevanten mehr bis dahin. Also: Die Meinungsklingen können schon mal gewetzt werden.
     
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  2. Loser

    Loser Parteilos

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    Gutes Posting, dasselbe hab ich mich auch gefragt. Und die SVP sicher auch, so ist es zu erklären, dass sie den Linken und Grünen vorwerfen, einen Nutzen aus diese Katastrophe zu ziehen. Ausgerechnet diese Partei, die von den Aengsten der Bürger lebt, schreit nun hemmungslos.
    In Deutschland versuchen die Parteien, keinen Gewinn zu ziehen, dies aus Rücksicht auf die Opfer. Wir leben aber nun mal nicht in Deutschland, sonder in einem Land, wo die SVP gerade versucht, die Wahlen zu gewinnen. Denen ist auch nichts heilig, wenn es um ihre Politik geht, darum ist es gut, wenn diese Katastrophe auch im Wahlkampf nicht vergessen wird.
     
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  3. Babylon

    Babylon Guest

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    Gute Analyse, habe mich auch schon gefragt was dies für die hiesige Politik hinsichtlich der Wahlen bedeuten könnte. Bei der Atomkraftfrage sind die Grünen ganz sicher am besten positioniert; ihre Anliegen waren immer klar, und dass es nun einen Boom für alternative Energieversorgung gibt ist auf jeden Fall wahrscheinlich. Die SP wird auf der anderen Seite davon wahrscheinlich nicht profitieren können, auch wenn sie oft die gleichen Ansichten vertritt. Bei Umweltfragen sind die Grünen ganz einfach an erster Stelle. Ich bin auch gespannt wie die Bürgerlichen damit umgehen werden. Für einmal sind sie bei einem stark emotionalisierten Thema auf der
    Seite.
     
  4. driver

    driver

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    Genau deswegen müsste sich die heimatverbundene SVP eigentlich für einen raschen Ausstieg aus der Atomenergie stark machen.

    Ich wäre nicht überrascht wenn die SVP ihre Position bald revidieren wird, falls die Stimmung in der Bevölkerung dauerhaft auf die Anti-AKW-Seite kippt.
     
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  5. Ockham

    Ockham

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    Sehe ich auch so. Bislang steht jedoch immer noch folgendes auf der SVP-Seite (mal sehen wie lange noch ;-)):

    Auf die Kernenergie kann und darf nicht verzichtet werden, da sie heute hocheffizient und sicher zur Unabhängigkeit der Schweiz beiträgt. [LINK]

    Generell stimmt es natürlich, dass man erst Genaueres wissen muss, was in Japan passiert ist, was die effektive Ursache war und ob weitere Fehler- /Störquellen (technisches oder menschliches Versagen, falsche Reaktionen, Baumängel, ...) hinzukamen. Erst wenn man diese Zusammenhänge einigermassen kennt, kann man sich in Verbindung mit den (noch entstehenden) Schaden, Leid und Konsequenzen ein situationsgerechtes Bild erlauben und richtungsweisende Schlüsse ziehen.
     
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  6. Babylon

    Babylon Guest

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    Ist aber sicher ein Dilemma für die Partei, weil sie bisher ja (wie üblich) eine sehr klare Position vertreten hat, nämlich pro Kernkraft.

    Ja, aber dann müsste sie sich unangenehme Fragen zur Glaubwürdigkeit gefallen lassen. Man ist ja stolz darauf, eben genau NICHT ein Fähnchen im Wind zu sein..
     
  7. Natascha

    Natascha Guest

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    Nur schon der Gedanke und auch der Fred dazu unterstreicht die Haltung einiger Linken. Man könnte fast glauben, man freue sich über die Schicksale in Japan in der Hoffnung, jetzt könne man endlich profitieren. Da müssen offenbar einige das Wasser bis zum Hals stehen haben, wenn man sich jetzt an so einem Strohhalm ohne Scham festzuhalten glaubt. Eigentlich schon menschenverachtend wer nur so denkt. Aber genau dies weiss die Mehrheit der Bevölkerung und wird genau diesen unkontrollierten Aktionismus sicherlich nicht honorieren. Ich glaube eher, dass das Gegenteil der Fall sein wird und man eben genau die nicht wählt, welche daraus versuchen Profit zu schlagen. Es wählt fast niemand die Vergangenheit, sondern immer diejenigen, welche künftige Lösungen am glauwürdigsten an die Frau/Mann bringen können. Und genau in diesem Moment gilt erstmals Respekt gegenüber den gebeutelten Japanern und deren vorbildliche ruhige Haltung. Dieses Volk hat Charakter und kann stolz sein, dass man nun nicht hyperventiliert und wie wilde Hühner - im Vergleich zu Europa - herumkreischt und alle versucht nervös zu machen.

    SP fordert Gesetz um Atomausstieg

    Die Bundeshausfraktion der SP hat heute beschlossen, vom Bundesrat ein Atomausstiegsgesetz zu verlangen. Die AKW Mühleberg und Beznau I und II müssten demgemäss «innert kurzer Zeit» stillgelegt werden


    SVP schert aus

    In der ganzen Debatte schert die SVP aus, während sich die FDP nicht zu Wort meldet. Die SVP teilte am Dienstag mit, sie lehne «vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse unüberlegte politische Schnellschüsse» ab. Es gelte in aller Sachlichkeit die Situation laufend zu beurteilen.

    Doch auch die Grünliberalen sind «ohne Kenntnis der genauen Faktenlage klar gegen radikale Sofortausstiegsfroderungen», wie sie mitteilen. Doch will sie die Betreiber von Atomkraftwerken «dem konsequenten Verursacherprinzip unterstellen».

    http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/SP-fordert-Gesetz-um-Atom ausstieg/story/27046388

    In der Ruhe liegt die Stärke. Zuerst seriös analysieren und geordnet vorgehen. Alles andere ist reiner Populismus und in dieser Frage und unter diesen Umständen äusserst menschenverachtend und beschämend.

    Die SP wird die Quittung für diese Aktionen bekommen. Vielleicht mag es sein, dass gewisse SP'ler Grün wählen, jedoch gesamthaft dürfte die Linke nicht profitieren, sondern erst recht verlieren.

    Die Reaktionen der SVP, GLP und CVP finde ich in Ordnung. Die FDP ist feige und zieht erst einmal den Schwanz ein. Die Reaktionen der Sozialisten sind beschämend und menschenverachtend. Solchen Leuten darf man keine Verantwortung geben.

    N.
     

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