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Kapitalismus am Ende?

Dieses Thema im Forum "Wirtschafts- und Finanzpolitik" wurde erstellt von Beat, 16. 05. 2012.

Kapitalismus am Ende? 4.6 5 5votes
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  1. Beat

    Beat Parteilos

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    Kapitalismus am Ende?

    Ich möchte hier eine Grundsatzdiskussion starten, in der wir uns über Wirtschafts- und Sozialpolitik Gedanken machen sollten.

    Der Kommunismus im Sinne der ausschliesslichen Staatswirtschaft hat versagt, ist tot. Der Kapitalismus in der neoliberalen Lesart hat die Weltwirtschaft an den Rand einer Finanzapokalypse mit daraus folgender Wirtschaftskatastrophe gebracht. Die Rettungsversuche diverser liberaler Staatsmänner(-Frauen) haben kläglich versagt. Was bleibt denn nun noch übrig? Sozialismus, soziale Marktwirtschft?

    Nach und nach kriegen diese Politiker die Quittung vom Volk: Frankreich, Griechenland, NRW, in CH, nächstes Jahr Deutschland? Wahltag ist Zahltag.
    Sollten wir uns nicht zurückbesinnen auf das Wesentliche im Zusammenleben einer Gesellschaft? Leben wir um zu arbeiten oder arbeiten wir um zu leben?

    Die Wirtschaftswissenschaft lehrt uns, dass es 3 unabdingbare Voraussetzungen braucht zum Funktionieren eines Unternehmens:
    1. Know-how,
    2. Betriebskapital,
    3. Mitarbeiter-Belegschaft.
    In letzter Zeit ist der Wert der Letzteren weitgehend vergessen gegangen.
    Vance Packard (1914-1996), Autor des berühmten Bestsellers The Hidden Persuaders schrieb dazu in seinem Buch The Pyramid Climbers "Die Mitarbeiter sind das wertvollste Gut (Asset) einer jeden Firma". Dies ist besonders relevant, liegt doch das Know-how nicht in irgend einer Schublade der Firma, sondern in der grauen Materie der Mitarbeiter.

    Die Bedeutung des amerikanischen Begriffs "Human resources Management" wird auch heute noch kaum verstanden. Es ist auch nicht verwunderlich, dass es keine deutsche Übersetzung dafür gibt. Um diese näher zu bringen ziehe ich eine Parallele heran. Die englische Sprache kennt ausser ″Human resources″ Begriffe wie ″Financial resources″ und ″Natural resources″. Der letzte wird mit ″Bodenschätze″ übersetzt. Wenn man aber von Schätzen spricht, meint man damit etwas Wertvolles, das es zu hegen und pflegen gilt. Warum sollte man die Human resources weniger sorgfältig pflegen als die anderen?

    In den letzten 20 Jahren hat auch in CH der Neoliberalismus gewuchert. Als höchstes Gut gilt der Shareholdervalue. Sozialabbau wurde gepaart mit Steuerreduktionen für die Reichen und Grossunternehmen. Arbeitnehmer werden wie Wegwerfware behandelt. Eifrig arbeiten sie daran, wie man die Pensionen und Renten noch weiter beschneiden könnte. Der Profit der Produktivitätssteigerung geht ausschliesslich an die Höchstverdiener und Aktionäre, die Arbeitenden gehen leer aus. Die Manager-Salär- und Boniexzesse verbrämen das politische und soziale Klima.

    Mit dieser Politik setzen sie den sozialen Arbeitsfrieden aufs Spiel. Geht das so weiter, sind Sozialunruhen früher oder später zu befürchten.
    Wir werden Jahrzehnte brauchen, um den sozialpolitischen Unfug der letzten Jahre wieder gutzumachen um wieder ein friedliches, respektvolles Miteinander von Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufzubauen.

    Wir sollten uns auf das Wesentliche zurückbesinnen: Reale Wertschöpfung, sowohl in Industrie, Gewerbe und Handel wie auch im Finanzwesen. Die Existenz nicht-börsenquotierter AG's beweist, dass Börsenspekulation unnötig ist. Spekulation mit Wertpapieren und Derivaten ist ein volkswirtschaftlicher Unsinn, ja sogar Schaden, und sollte verboten werden. Ebenso die Spekulation mit Realwerten wie Lebensmittel, Immobilien und Bodenschätzen.

    Die Diskussion sei eröffnet!

    Man lese auch: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtsch...doyer-gegen-die-neuen-Barbaren/story/16326208
     
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  2. New York

    New York fdp

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    AW: Kapitalismus am Ende?

    Der Kapitalismus ist nicht am Ende und ist die einzige Marktordnung die auch funktioniert.

    Versagt hat der Sozialismus und hat auch eine Totalbankrotterklärung erlitten mit schlimmen Folgen für Mensch und Umwelt.

    Einen Neoliberalismus wie es gelegentlich tönt ist ein Hirngespinst und gibt es nicht ausser in angelsächsischen Ländern. In Zentraleuropa haben wir die soziale Marktwirtschaft.

    Das Problem ist nur, dass die soziale Marktwirtschaft jahrzehntelang auf Pump gelebt hatte und nun die Schulden drücken. Man hat keinen Spielraum mehr. Dazu kommt noch, dass neben den hohen Staatsverschuldungen auch die Steuern und Abgaben auf Rekordhöhen gestiegen sind. So zahlt man innerhalb der EU zum Teil bis zu 20 % Mehrwertsteuern und hohe Einkommen werden bis zu 50 % versteuert. Es besteht einfach keine Luft mehr nach oben.

    Und genau da grenzt sich die Schweiz hervorragend ab. Wir haben tiefere Mehrwertsteuern, tiefere Einkommenssteuern und niedrige Staatsschulden. Deshalb ist auch der Franken so stark, weil die anderen so schlecht sind.

    Nun die Disziplin schleifen lassen und auch Schulden machen oder Steuern erhöhen wäre zwar europakompatibel, jedoch würden wir genau die Stärken der Schweiz beschädigen. Insofern nicht die Fehler der anderen machen, sondern kontunierlich dem Staat Mittel entziehen und dem Bürger weitergeben in Form von Steuersenkungen. Dies ist unser Rezept.
     
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  3. Alexander

    Alexander Parteilos

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    AW: Kapitalismus am Ende?

    Der Kapitalismus bzw. die vorherrschenden Marktordnung birgt gigantische Probleme in sich, von denen die Vernachlässigung der "Human Ressources" wahrscheinlich noch nichtmal das grösste ist.

    1. Der Ausverkauf von nicht erneuerbaren natürlichen Ressourcen und deren Nicht-Wiederverwertung:
    In der aktuellen Organisation der Wirtschaft werden Ressourcen in der Regel kaum bezahlt. Was bezahlt wird sind vorweigend nur die Kosten der Förderung (natürlich plus dem, was die Oberen beispielsweise der Bergbaugesellschaften noch in die eigene Tasche wirtschaften). Dies führt dazu, dass beschränkt verfügbare Ressourcen gedankenlos verschwwendet und vernichtet werden und in der Konsequenz früher oder später einfach nicht mehr zur Verfügung stehen werden.
    Die Logik des Marktes regelt zwar die Preise nach der aktuellen Nachfrage - und vielleicht sogar noch 'vorausschauend' für ein paar Jahre in die Zukunfgt - dass aber auch in 50 und 100 Jahren noch Menschen existieren die auf natürliche Ressourcen angewiesen sind, liegt weit ausserhalb des Planungs- und Vorstellungshorizontes des Marktes. Die Konsequenzen werden fatal sein. Innerhalb von ein paar Generationen werden ein Grossteil der nicht erneuerbaren Ressourcen ausgebeutet sein und vieles davon durch mangelndes Recycling (oder weil es gar nicht rezyklierbar ist) für immer verloren. Und vermutlich sind wir schon in der zweiten Halbzeit 'dieser paar' Generationen.

    2. Die Zerstörung der Grundlagen für erneuerbare Ressourcen:
    Die selben Mechanismen die zur Verschwendung und Vernichtung der nicht erneuerbaren Ressourcen führen, attackieren auch in Besorgnis erregendem Masse die Wachstumsgrundlagen der erneuerbaren Ressourcen. Immer führt kurzfristiges Profitstreben zu langfristiger Zerstörung.
    In den Ur- und Regenwaldgebieten werden gigantische Flächen abgeholzt, brandgerodet und innert kürzester Zeit unfruchtbar gemacht.
    Selbst in Erst-Welt-Industrienationen wurden durch falsches Düngen (zur kurzfristigen Profitmaximierung) riesige Ackerbauflächen in Wüste verwandelt (siehe USA).
    Die Fischbestände in den Weltmeeren werden in Industriellem Massstab leergefischt, sodass eine Erhohlung der Populationen auf einen langen Zeitraum hinaus nicht mehr absehbar sind.
    Dazu kommen noch unzählige weitere Probleme von denen ich hier jetzt natürlich keine vollständige Liste geben kann.


    Diese beiden Punkte zeugen schon von der unermesslichen Katastrophe die der Kapitalismus angerichtet hat, deren Folgen aber (zu unserem Glück) erst die zukünftigen Generationen im vollen AUsmass zu spüren bekommen werden.

    Trotzdem lässt sich denke ich bereits jetzt mit grosser Wahrscheinlichkeit sagen, dass auf das 20. und 21. Jahrhundert als Katastrophenzeitalter zurückgeblickt werden wird, in dem eine absolut kurzsichtige Wirtschaftsordnung auf lange Zeit hinaus das Leben auf dem Planeten erheblich und unnötig erschwert hat.

    Soviel einmal zu einem etwas längerfristigen Denken.



    Aktuell und Kurzfristig sind natürlich u.a. auch die von Beat angesprochenen Punkte relevant:
    Die Wirtschaftsordnung führt zu einer Konzentration von Reichtum bei wenigen - und diese Betrachten die vielen anderen oft nur als Werkzeug zur weiteren Mehrung ihres Reichtums.

    Auch hier lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit (anstatt wie oben in die Zukunft). Dann stellt man fest, dass der Kapitalismus bereits in seinen Anfängen eben genau die Tendenz hatte, wenigen (z.B. Fabrikbesitzern) zu sehr viel Besitz zu verhelfen wohingegen diejenigen die nichts besessen haben ihr ganzes Leben lang nichts besassen und in den Fabriken gnadenlos ausgebeutet wurden.
    Gegen diese Missstände gab es dann allerdings Widerstand, der zuerst (wie immer wenn sich die vielen Unterdrückten gegen die wenigen Untgerdrücker erheben) zunächst von den Kapitalisten via ihrer bewafnneten Häscher niedergeschossen wurden, schliesslich aber in Gewerkschaftlichen, Kommunistischen, Sozialistischen und Sozialdemokratischen Bewegungen organisiert wurden. Als dann irgendwann klar wurde, dass der WIderstand einfach zu gross ist um ihn langfristig mit Gewalt unterdrücken zu können, fing man an, auf einen gewissen Teil seiner riesigen Gewinne zu verzichten damit auch etwas für die unteren Schichten übrig blieb. Da man ja immer ein schönes Wachstum erzielte (natürlich auf Kosten der natürlichen Ressourcen, siehe oben) war das auch völlig schmerzlos, denn die Gewinne der Oberen wuchsen trotzdem ständig weiter. So hat man es also ein paar Jahrzehnte lang gehandhabt, bis vor einiger Zeit dann viele Reiche irgendwie wieder das Gefühl hatten, sie müssten nun 99% statt nur 90% des Kuchens einstreichen. Dies führt zu den neoliberalen Tendenzen die wir erleben, bei denen soziale Errungenschaften wieder rückgängig gemacht werden und die Schere zwischen Arm und Reich stärker aufgeht als jemals zuvor.
    Dieses Verhalten ist natürlich in jeder Hinsicht idiotisch, denn es führt nicht nur zu sozialer Unzufriedenheit bis hin zu sozialen Unruhen (welche schlussendlich auch in Gewalt gegen die verantwortlichen Abzocker münden könnten) sondern auch dazu, dass die Infrastruktur die unsere Gesellschaft erfolgreich macht verlottert und somit die zukünftige Wirtschaftskraft aufs Spiel gesetzt wird (auch hier ist die USA ein gutes Beispiel für den Niedergang).


    So lange jeder nur kurzsichtig vor sich hin wurstelt (und das ist wohl die treffendste Definition von 'Kapitalismus') sehen wir jedenfalls kurz- mittel- und langfristig immer grösseren Problemen und Kastastrophen entgegen.
     
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  4. New York

    New York fdp

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    AW: Kapitalismus am Ende?

    Aber genau in diesem Bereich ist der Markt allen anderen Ordnungen überlegen. Knappe Ressourcen werden teurer und dies ist die Motivation, dass man mit Ressourcen sparsamer und effizienter umgeht. Hätten wir eine Planwirtschaft wäre der Kollaps vermutlich schon lange gekommen, weil da die Effizienz zweitrangig ist. Das beste Beipspiel ist der Wohnungsbau oder die Fabriken in sozialistischen Systemen.

    Dies hat aber mehr mit der Überbevölkerung zu tun, welche letztlich zu einer Ernährungs- Energie- und Klimakrise führt. Und dieses Phänomen können wir letztlich nur lösen mit Marktmechanismen und niemals mit Planwirtschaft.



    Auch hier bin ich der Meinung, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Dank Kapitalismus, dank Marktöffnung werden wir in den nächsten Jahren rund 1 Milliarde Menschen haben (Brasilien, Maghreb, Asien, Indien), welche zu neuem Wohlstand kommen (Quelle: Bericht Weltbank, the next billion consumer). Insofern verschwindet im Verhältnis und global gesehen die Armut und bewegt sich in Richtung Mittelstand. Natürlich wird es immer Armut geben, weil die Bevölkerungszunahme dramatisch ist und nicht vom Markt absorbiert werden kann. Aber alle anderen Systeme würden gar nie eine neue Mittelschicht entwickeln lassen, sondern die bestehende Mittelschicht in die Armut führen.

    Der Kapitalismus ist nicht am Ende, sondern wird gerade zur Lösung unendlicher Problem immer mehr gebraucht.
     
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  5. aristo

    aristo

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    AW: Kapitalismus am Ende?

    Der Kapitalismus existiert gar nicht, sondern ist nur ein Abstraktum für die weltweite Hegemonie der para-staatlichen petrochemischen Oligarchie. Und soweit das Auge reicht, sieht es nicht aus als ob sich die Herrschaftsverhältnisse demnächst ändern würden, im Gegenteil. Wer sich diesem Herrschaftssystem nicht unterwerfen will, muss sehr kreativ sein.
     
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  6. Alexander

    Alexander Parteilos

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    AW: Kapitalismus am Ende?

    Das ist leider ein Irrtum, den ich (wegen seiner Häufigkeit) eigentlich in meinem Beitrag bereits vorweggenommen hatte:

    Natürlich führt der Markt dazu, dass knappe Ressourcen teurer werden - aber er hat hierzu einen viel zu geringen Zeithorizont. Wenn der Markt eingreift, ist es längst zu spät. Der Markt 'denkt' in einem Horizont von bestenfalls ein paar Jahren oder wenigen Jahrzehnten (oftmals aber nichtmal weiter als bis zum Quarttalsabschluss). Die Menschheit hingegen möchte noch Jahrhunderte und Jahrtausende von Ressourcen profitieren können.


    Weisst du was der Unterschied zwischen einem DDR-Kühlschrank Baujahr 1985 und einem BRD-Kühlschrank Baujahr 1985 ist?
    Der DDR-Kühlschrank läuft bis heute, und der Besitzer musste noch nichtmal die Glühbirne darin einmal ersetzen. Der BRD Kühlschrank hingegen wird die Wende höchstens um ein paar Jahre überlebt haben, nachdem er pünktlich jedes Jahr das Lämpchen gewechselt hat.

    Und der Grund dafür ist nicht etwa, dass die DDR technologisch überlegen gewesen wäre (im Gegenteil, natürlich), sondern ganz einfach, dass man in der DDR die Geräte nach bestem Wissen und Gewissen gebaut hat (denn die Ressourcen waren knapp, ein Gerät musste möglichst lange halten) während man sie in der BRD (und heute natürlich auf der Ganzen Welt noch extremer) so baut, dass sie absichtlich früh kaputt gehen.
    Der DDR-Ingenieur bekommt Ärger mit seinem Chef, wenn sein Kühlschrank keine 20 Jahre hält. Der West-Ingenieur wird hochkant gefeuert wenn er einen Kühlschrank baut, der ganze 20 Jahre hält.

    Heute werden gigantische Ressourcenmengen vernichtet, weil die Geräte absichtlich so gebaut werden, damit sie schnell kaputt gehen (planned obsolescence). An gewissen Unis ist es sogar bereits Studienfach, zu lernen, wie man etwas möglichst schlecht Konstruiert.

    Bestes Beispiel ist der ganze Elektroschrott (z.B. Drucker oder bald auch LCD-Fernseher, die in den nächsten Jahren Millionenfach ausfallen werden weil sie absichtlich auf eine Lebensdauer von 2 - 4 Jahren konstruiert werden) oder auch der Klassiker: Die Glühbirne. Seit 100 Jahren werden wir mit Glühbirnen verarscht, die sensationellerweise "bis zu 1000 Stunden" leuchten. Das ist professionelle Verarschung *click*, denn technisch gesehen könnten wir seit über 100 Jahren technisch in der Lage wären, problemlos und günstig Glühbirnen zu bauen, die 50'000 Stunden oder mehr laufen.

    (Persönliche Beobachtung meinerseits hierzu, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, bevor ich vor kurzem auf LED-Lampen umgestiegen bin: Phillips Halogen-Spots (18 .- pro Stück) halten in der Regel kein Jahr. Chinesische NoName Spots aus dem Baumarkt (4 .- für 3 Stück !) halten hingegen quasi ewig. Ich habe anfänglich ein halbes Vermögen in eine Lampe (mit 5 Spots) investiert, weil ich da alle paar Monate einen Phillis Spot auswechseln musste. Nachdem ich auf die quasi geschenkten China-Spots umgestellt habe, ist mir glaube ich seit Jahren nie mehr einer ausgefallen.

    Der Grund dafür ist ganz einfach: Phillips ist federführend wenn es darum geht, Produkte absichtlich schlecht zu bauen. Die NoName Chinesen hingegen basteln einfach diese Lampen zusammen ohne einen Gedanken an die Qualität zu verschwenden... und billigste "ist mir egal Qualität" ist leider zehn mal besser als teure "absichtlich schnell kaputt Qualität".




    Auch das ist blinder Marktglaube, der die Realitäten vollkommen verkennt.

    Es ist die kurzfristige Profitgier die dazu führt, dass diese Menschen in der Vergengenheit und heute ihre Acker- und Waldflächen vernichtet haben.

    Denen kann es ja egal sein, wenn in 20 Jahren, nach ihrer Pension, ihr Feld eine Wüste ist. Bis dahin leben sie sowieso von der Rente bzw. dem heute erwirtschafteten Profit. Die Nachkommen haben dann halt eine Wüste statt einen Kartoffelacker, aber who cares?

    Und genau dagegen nützt der Markt eben rein gar nichts, denn er belohnt jemanden, der heute Profite aus etwas zieht, was in späteren Jahrzehnten katastrophale Folgen hat, anstatt ihn zu bestrafen.
    Und genau hier müsste eben der Staat den Markt im Zaum halten - aber da der Staat von den Marktprofiteuren kontrolliert wird, passiert dies in viel zu geringem Masse.


    Es ist richtig, dass der Kapitalismus für einen Anstieg eines (bescheidenen) Wohlstandes in zunehmenden Teilen der Bevölkerung führt. Gleichzeitig führt er aber auch zur (vermeidbaren) Ausbeutung von ebenso grossen Teilen der Weltbevölkerung.
    Das noch grössere Problem daran ist allerdings, dass dieser Anstieg des Wohlstandes sehr unnachhaltig und nur aufgrund des Wirtschaftswachstums erfolgt.
    Dies führt zu den gigantischen oben genannten Problemen, die eindeutig durch den Markt verursacht und nicht von ihm gelöst werden! Und im Endeffekt sind diese Probleme dermassen gross, das es überhaupt keine Option sein kann, sie in Kauf zu nehmen.
    Wohlstand für viele müsste durch eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung passieren. Und eine nachhaltige WIrtschaftsentwicklung findet nicht statt, wenn man sämtliche Ressourcen innert weniger Jahrzehnte vernichtet und die Nachkommen nachher mit leeren Händen dastehen. Die Lösung ist also nicht Wachstum, sondern Umorganisation und Umverteilung, denn die Folgen des schrankenlosen Wachstums zerstören letzendlich die Grundlage jeden Wohlstandes.
     
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  7. Marti20_4

    Marti20_4 Parteilos

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    AW: Kapitalismus am Ende?

    Zitat von Alexander

    sehr schöner Satz

    sehe ich genau so. Einmal "positiv" ausgedrückt: das Volk wäre mit 10 Prozent zufrieden, doch auch die will man Ihnen noch wegnehmen. Was sind den das für Leute? Es spielt doch keine Rolle mehr ob man 500 Mio. oder eine Milliarde hat...
    Aber vermutlich geht es nur um Macht, ich kanns auf jeden Fall nicht nachvollziehen.
     
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