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Hochdeutsch-Schweizerdeutsch. Wie weiter?

Dieses Thema im Forum "Medien und Schlagzeilen" wurde erstellt von Lehm, 28. 04. 2010.

Hochdeutsch-Schweizerdeutsch. Wie weiter? 4.5 5 4votes
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  1. Lehm

    Lehm

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    Die Diskutierenden im SF1-Club von gestern fanden anscheinend auch nichts Brauchbares.

    http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/fernsehen/TVKritik-Verstehen-Sie-sc hweizerisch/story/19601925

    Erstaunt nicht, ist es doch gerade SF, das angeblich mit Blick auf die Einschaltquoten stur Dialekt sendet, auch dort, wo die ganze Schweiz oder gar das angrenzende Ausland Interesse haben könnte. Grund für die Dialektwelle der letzten Jahre ist wieder und immer noch unsere Antipathie gegenüber den Deutschen, die uns doch so ähnlich sind. Schweizerdeutsch in der Beiz oder beim Sport, aber doch nicht am nationalen TV. Es muss möglich sein, dass auch ein Zürcher mal mit einem Zürcher mehr als einen Satz Hochdeutsch spricht, damit auch der nicht deutschsprachige Bekannte folgen kann.
     
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  2. felixkohl

    felixkohl

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    @Lehm

    Deiner Meinung.
    Rhetorik ist für Deutschschweizer im doppelten Sinne ein Fremdwort - erst recht Eloquenz. Kein komplexes Problem lässt sich einigermassen befriedigend auf Dialekt erklären. Dialekt gehört bestimmt in die gute Stube, beim Bier unter Freunden etc.
    Zwölfjährige können kaum einen brauchbaren Satz formulieren, wo in unseren Nachbarländern diese ausgeklügelt und differenziert argumentieren können (nicht nur auf deutsch sondern auch italienisch oder französisch).

    Ausserdem beleidigt es mich, wenn ich mich am Radio oder TV bemühen muss einen Moderator walliserdütsch sprechen zu hören, wo doch die Deutsche Hochsprache zehn mal klarer ist und ALLE diese verstehen können. Ich würde auch niemand anderem einen regionalen Dialekt aus einen geographischen Hinterhof anmuten wollen - so schön diese Dialekte für den Lokalkolorit und Sprachwissenschafter sein mögen.

    Ein psychologisches Moment geht in den gängigen Diskussionen gern vergessen oder wird tunlichst vermieden. Die SchweizerInnen schämen sich ihres Akzents, weil dieser womöglich zu provinziell klingen könnte.
    Meine Meinung: Trage stolz Deinen Akzent auf der Zunge, denn es gibt keine hässlichen Akzente, und lerne lieber zu reden!

    Hier die erwähnte Sendung. Denn der TA-Kommentar ist unzutreffend:

    http://videoportal.sf.tv/video?id=B75B7B14-88BE-43AE-BEC4-C453217C5ACA &referrer=http%3A%2F%2Fwww.tvprogramm.sf.tv%2Fdetails%2F5295bc78-f0a8- 4358-a1ec-9ece3e5875f6

    Bei ca. Min. 13 verweiste Herr Jauslin völlig weltfremd darauf, wir sollten die Sprachen bzw. Mehrsprachigkeit noch besser kultivieren. Dagegen wäre nichts einzuwenden, sofern unsere Kinder bald 50 Schullektionen und Aufgaben bewältigen. Wirtschaftliche und soziokulturelle Herausforderungen bedingen auch einige andere Kompetenzen als Sprachunterricht ad infinitum...
     
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  3. Lehm

    Lehm

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    Danke für diese zutreffenden Ausführungen. Man muss schon realistisch bleiben, allzu viele Sprachen kann man ausser Sprachtalenten niemandem zumuten. Ziel muss sein, dass jeder Deutschschweizer ein Hochdeutsch mit oder ohne Akzent spricht, ohne sich zu schämen. Kein Ziel kann es sein, die Schweizer Dialekte als Schriftsprache aufzuwerten und diese sozusagen als Landessprache zu definieren. Möglich wäre das zwar, siehe Rumantsch Grischun, der Weg aber wäre beschwerlich und würde uns isolieren. Möglich, dass dann nach einigen Generationen tatsächlich auch mit einem Deutschen Englisch gesprochen werden müsste.

    Nach wie vor die Haupthemmschwelle scheint mir, mit einem anderen Deutschschweizer auf Hochdeutsch zu sprechen, damit ein Nichtdeutschschweizer auch am Gespräch teilnehmen kann.
     
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  4. razzar

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    Klärt das in der Schweiz mal demokratisch, dann reden alle Schweizerdeutsch. Also lasst doch die Welschen französisch, die Tessiner italienisch, die Flachlandschweizer Schwiizerdütsch und die Engadiener Rumanisch sprechen. Die Weltsprache wird englisch sein und bestimmt nicht hochdeutsch. Die deutschen sollten hier lernen die Sprache zu verstehen, wie eigentlich alle Einwanderer, und die Schweizer sollen sich untereinander wie bisher, nach Bedarf, verstehen. Was will man da wem aufzwingen? Eine andere Sprache? Also bitte schön, schreger gehts nimmer oder? ;)
     
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  5. Lehm

    Lehm

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    Schwizertütsch ist eben keine homogene, vollständig in Gebrauch stehende Sprache. Man könnte sich entscheiden, sie dazu zu machen, das braucht aber einige Anstrengung, die sich wohl nicht nur deshalb nicht lohnt, weil internationale Verständigung auf Englisch geschieht, sondern auch nicht, weil sich so die Tütschschwizer weiter isolieren. Warum sollen sich gut 4 Millionen Angehörige des deutschen Sprachraums auch schriftlich in einer eigenen Sprache verständigen? Warum soll ein Deutscher schwizertütsch lernen, wenn doch jeder Tütschschwizer ohnehin Hochdeutsch kann, können muss bzw. müsste?
     
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  6. razzar

    razzar

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    Weil ein Deutscher nicht Gott ist und alle sich ihm anpassen
    . Und er befindet sich in einem fremden Land, wo sich die Sprache über Jahrhunderte ergeben hat uns sich nicht wegen ihm jetzt total umändert! Auch wenn man Hochdeutsch kann, sollte es jedem selbst überlassen werden wie er mit anderen Kommuniziert. Also ihr könnt ja auch noch bestimmen das ein Baby nur noch Pampers montiert bekommen soll und alles andere ist nicht gut. Hallo? Sag mal einem Welschen das er plötzlich nur noch Hochdeutsch reden darf. Pfffft, ein Witz :D. Der Deutsche kommt ja von sich aus in die Schweiz, also muss er sich auch anpassen. Und wenn man ihn holt dann bezahlt ihm gefälligst den Sprachunterricht. Immerhin ist die Schweiz auch mit französisch und italienisch sowie Rumanisch bewandert. All diesen nun die deutsche Sprache aufzwingen wollen ist meiner Meinung nach sowas von belämmert, da krümmen sich sogar die Toten im Grabe vor lachen. :D Bis jetzt gings ja auch gut ohne. Wieso denn so plötzlich so oberblöde sinnlose Ideen? Das eine Revolution noch schneller kommt?

    Merkt euch einfach die Spinner in der Politik mit diesen Ideen, so das die nie gewählt werden und Macht erhalten. ;)
     
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  7. Lehm

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    Nun ja, anfangs des 19 Jh. war Hochdeutsch zumindest in gebildeteren Kreisen der Deutschschweiz durchaus üblich und wurde auch bis zum 2. WK als normal angesehen. Während und danach hat sich das Blatt gewendet, die Schweizer Nationalisten erfanden die Abgrenzung der Schweiz gegenüber den Nazis, was ja, wie der Bergierbericht und andere neue Erkenntnisse aufzeigen, nur halbwegs gelang. In Form des Schwizertütsch-Revivals gelang es aber sehr gut, so gut, dass sich sogar die Hippies Liebesbriefli auf Dialekt schrieben und anfangs der 90er-Jahre die SRG den Wetterbericht vermundartete, weil schliesslich jede Sprachregion ihr eigenes Wetter hat und für Touristen die Bildli genügen.

    Item, Mitgrund für den erbärmlichen Hochdeutschauftritt vieler Deutschschweizer ist die weiterschwelende Deutschfeindlichkeit, die jedesmal wieder Nahrung bekommt (kriegt!), wenn ein geschliffen sprechender Deutscher souveräner, ja gar arroganter wirkt als der schüchtern vor sich hingutturiernde Kuhschweizer (der ja im Ausserben begriffen ist). Es gibt aber eigentlich heute keinen Grund mehr, nicht zuzugeben, dass (Hoch-)Deutsch unsere Muttersprache ist und der Dialekt nicht mehr viel mehr als das, was er in Berlin oder anderswo auch ist.
     
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