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Giftanschlag in England

Dieses Thema im Forum "Medien und Schlagzeilen" wurde erstellt von Nebelhorn, 5. 04. 2018.

  1. Nebelhorn

    Nebelhorn

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    Frage / Anliegen:

    Ist Putin wirklich der Akteur?

    Ohne schlüssige Beweise fällt nach dem Giftanschlag in England fast die gesamte westliche Welt über Putin und Russland her. Das erinnert mich an den klassischen Kriminalroman, wo man den Täter im erlauchten Umfeld einer erlauchten Gesellschaft zu orten glaubt - und dann ist ganz banal der Gärtner schliesslich der Bösewicht. Die Zurückhaltung der Schweiz in diesem Fall scheint vielleicht wieder einmal die richtige Reaktion zu sein - wie schon so viele Male.
    Wenn alle Hinweise sofort in eine einzige Richtung deuten, ist es oft die falsche. Man kann Putin vielleicht vieles vorwerfen, nur eines nicht, dass er dämlich ist - ganz im Gegenteil zu seinem amerikanischen Gegenpart.
    Warum sollte Putin einen seiner nach England emigrierten Ex-Geheimdienstler ausgerechnet mit Gift aus einem russischen Waffenlabor liquidieren lassen, um den schon zur Gewissheit hochstilisierten Verdacht ausgerechnet (nur) auf sich zu lenken? Vielleicht sind die Hintergründe ganz woanders zu suchen.
    Es stellt sich die Frage - wem nutzt es? Sicher nicht Russland und Putin. Der hätte wohl ganz andere Möglichkeiten, eine solche Aktion wesentlich diskreter und ohne offensichtliche Spuren durchführen zu lassen
    Waren da vielleicht Akteure am Werk, die ein grosses Interesse daran haben, das ohnehin getrübte Verhältnis Grossbritannien/Russland nachhaltig zu beschädigen und aus welchem Grund? Sind jemandem die enormen Finanzanlagen und Investitionen russischer Oligarchen und Dunkelmänner in England ein Dorn im Auge?
    Oder ist gewissen Kreisen in Russland die erneute Wiederwahl Putins mit grosser Stimmenmehrheit nicht bekommen und haben diese eine Gelegenheit gesucht, ihren ungeliebten Präsidenten zu diskreditieren und international zu isolieren?
    Wurde deshalb ausgerechnet in russischen Labors entwickeltes Nervengift in spektakulärster Art und Weise für den Anschlag verwendet und von wem? Gelangte tatsächlich in Russland hergestelltes Gift über dubiose Kanäle (Diebstahl oder Bestechung) in fremde Hände im Inland oder Ausland?


    Wir wissen ja alle heute, wie die Welt zur Rechtfertigung des Irakkrieges von den Amerikanern infam getäuscht und hinters Licht geführt wurde. Die Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins entpuppten sich schliesslich nur als Fata Morgana.
     
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    Nebelhorn, 5. 04. 2018
    Last edited by Nebelhorn; at 5. 04. 2018
    #1
  2. Vox borealis

    Vox borealis Parteilos

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    So wie es meiner Meinung nach heute aussieht, hat Grossbritannien in der Sache recht, aber Russland liegt im Propagandakrieg vorne.

    Aus den finnischen Medien lese ich heute, dass 1995 zwei Menschen am Nervengift Novytschok gestorben sind: der Bankier Vladimir Kutsischwili und seine Sekretärin Zara Ismailova. Der Täter oder Auftraggeber soll wegen einer Feindschaft ein Brancheninsider gewesen sein. Ein Mitarbeiter des Labors in Shikany, wo Novitschok erschaffen und hergestellt worden ist, wurde damals wegen Diebstahl und Weitergabe gegen Geld verurteilt. Dasselbe Labor (wo schon früher ein Chemiker an Novytschok gestorben ist) nennen die Briten als Herkunftsort von Novytschok.

    Sollte es sich bei Salisbury um eine ähnliche Tat ohne Weisung von offizieller russischer Seite handeln, würde dies jedoch die Russen nicht von der Verantwortung entbinden, für eine absolut sichere Verwahrung des Nervengifts zu sorgen, weil sie sich dazu in der Konvention über chemische Waffen verpflichtet haben. Weil die Skripals offenbar bald wieder vernehmungsfähig sein werden (was wohl nicht im Sinn des Anschlags gewesen ist), kann es sich vielleicht um eine ebensolche Tat gehandelt haben. Ich denke, wir werden die Wahrheit noch erfahren;)
     
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  3. Alexander

    Alexander Parteilos

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    Ich weiss ja nicht ob wir noch einen Thread zu dem Thema brauchen, nachdem schon in etwa drei bis vier anderen Threads seit Wochen darüber debattiert wird ;)

    Dass die Russen im "Porpagandakrieg" die Nase vorne haben, würde ich so nicht unbedingt sagen. Immerhin hat die halbe Welt Sanktionen gegen Russland verhängt und damit die britische Behauptung (wahrscheinlich) ungeprüft übernommen.

    Ungeschickt seitens der Briten ist sicher, dass sie von Anfang an mit der Falschaussage vorgeprescht sind, sie hätten (beinahe) 100%ige Beweise für die Täterschaft Russlands. Wenn dann ein paar Wochen später der Chef des Labors aus dem diese angeblichen "Beweise" stammen öffentlich aussagt, dass von solchen beinahe 100%igen Beweisen keine Rede sein könne, ist das natürlich etwas ungünstig.
    Aber diese Peinlichkeit ist in dem Sinne ja kein Erfol der russischen Propaganda, sondern viel mehr ein Misserfolg der dilettantischen britischen Propaganda.
    Aber eben... Erolg bzw. Misserfolg hin oder her: Die Politik der westlichen Staaten hat sich ja trotzdem hinter die Briten gestellt, d.h. sie scheinen damit ja trotz allem durchzukommen. Ebenso beim NATO-nahem Medien-Mainstream. Ich hatte ja neulich einen Zeitungsartikel verlinkt, der argumentiert, dass es eigentlich völlig egal sei ob die Schuld der Russen bewiesen ist oder nicht, man müsse so oder so gegen sie vorgehen.

    Übrigens: Die "sichere Verwahrung" von Novytschok ist längst nicht mehr nur in der russischen Verantwortung. Bekanntlich wurde das Gift auch in anderen Ex-Sowjetrepubliken hergestellt, u.a. in Chemielabors die später von westlichen Spezialisten "rückgebaut" wurden. Man kann also mit grosser Sicherheit davon ausgehen, dass verschiedene Regierungen Zugang zu diesem Gift haben. Oder glaubst du z.B., die Amis haben keine Proben mitgenommen, als sie das Labor in einem der "Stans" (ich erinnere gerade nicht welches) abgebaut haben? Wohl kaum.
     
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  4. SHANGHAI

    SHANGHAI

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    Gestern wurden neue Details der Skripal-Vergiftung bekannt. Statt alles klarzumachen, stellen sie nur mehr Sachen infrage.
    Es kommt heraus, dass der Skripal Haustiere, zwei Meerschweinchen und eine Katze, hatte. Hier ist ein paar Tatsachen anregend. In erster Linie ist es wesentlichen, dass die Haustiere übersehen wurden. Der Fall, der Syrien und Terrorismus bedeutungsmässig ins Schatten stellt und eine Menge internationale Betroffenen hat, war nicht für Polizisten ernst genug, um das Haus sorgfältig zu durchsuchen.
    ;)

    In zweiter Linie sollen Skripal zwei Katzen gehabt haben, so Skripals Nichte. Die britischen Medien berichteten über nur eine eingeschläferte Katze. Warum wurde diese Nachricht verschwiegen und was war los mir der zweiten Katze?

    Zuletzt wenn die Meerschweinchen schon töt waren und die Katze war sehr schlecht, wozu braucht man sie einzuäschern ? Ich bin kein Sachverständigerin, aber warum hat man kein Bluttest gemacht, um sich zu vergewissern, dass die Haustiere definitiv an einer Vergiftung oder im Gegenteil an Hunger und Durst gestorben sind? o_O
     
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  5. Vox borealis

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    Das ist ein Nebenschauplatz. Russland brachte die Haustiere mit ins Spiel, nachdem die Öffentlichkeit von den britischen Behörden nichts über deren Existenz und Schicksal erfahren hatte. Die Briten holten dies dann nach (letzter Link). Allerdings ist über den Verbleib der zweiten Katze immer noch nichts bekannto_O.

    Maria Zacharova, Sprecherin des Aussenministeriums Russlands: “In addition, we now have information (we checked it, but I didn’t see it in the media) that Skripal had pets. Is this relevant? Very much so, if the issue is about using chemical agents and the availability of numerous scenarios, which in one way or another are related to the house where Skripal lived. Where are they now? We have an understanding of how many of them there were, but this is a question for Britain. Where are the animals? What is their condition? Why did Britain, so active in “leaking” information to the media about the investigation as it refers to unnamed sources, hide such an important fact? After all, we are talking about living organisms, and if a poisonous agent was used in the house, they must also have been affected.”

    http://www.mid.ru/en/press_service/..._publisher/D2wHaWMCU6Od/content/id/3153603#10

    https://news.sky.com/story/guinea-p...l-died-in-wake-of-nerve-agent-attack-11318411
     
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  6. SHANGHAI

    SHANGHAI

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    Ich glaube nicht, dass man dies als "Nebenschauplatz" bezeichnen kann.

    Die Zeitung „The Sun“ berichtete, Skripals Katze mit Namen „Nash Van Drake“ sei in das nahe gelegene Forschungszentrum Porton Down gebracht und dort eingeschläfert worden. Die Überreste der drei Tiere seien eingeäschert worden, zitierte die Zeitung ungenannte Regierungsquellen.

    Wieso wurden die Viecher eingeäschert und nicht aufbewahrt für Untersuchungen. Es macht den Eindruck, dass man Beweismittel vernichtete. Wieso?

     
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  7. Alexander

    Alexander Parteilos

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    Mal ein kleines Lehrstück über Propaganda.

    Die Zeit titelt: "OPCW bestätigt britische Ergebnisse zum Fall Skripal".

    Und weiter: "Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) kommt bei der toxikologischen Untersuchung im Fall des früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal zum gleichen Ergebnis wie Großbritannien."

    Der geneigte Leser versteht darunter natürlich: Die unabhängige OPCW hat nun die britischen Behauptungen bestätigt, gemäss denen es sich um eine russische Giftattacke handelt.

    Das "Blöde" daran ist nur: Die OPCW hat nichts dergleichen bestätigt. Sie hat sich explizit NICHT zur Herkunft des Giftes geäussert. Sie hat einzig bestätigt, dass es sich dabei um dasjenige Gift (also ein Gift der Nowitschok-Gruppe) handelt, das auch die Briten benannt haben. Mit anderen Worten: Die OPCW bestätigt hier lediglich das, was noch nie jemand in Frage gestellt hat.

    Aber Moment mal, heisst das, der Bericht bringt keinerlei Erkenntnisgewinn? Nicht ganz. Denn die OPCW nennt ein Detail, welches bisher nicht genannt wurde. Nämlich dass das Gift chemisch sehr rein war.
    Wieso ist das relevant? Weil man Herkunftsanalysen anhand von chemischen Verunreinigungen macht. Was die OPCW hier also eigentlich gesagt hat, ist, dass man a) die Herkunft des Giftes nicht festgestellt hat und b) dies vermutlich aufgrund der Reinheit des Giftes auch gar nicht kann.


    Was hätte die Zeit also titeln müssen, wenn sie seriösen Journalismus statt billige Propaganda betreiben würde? Zum Beispiel so etwas:
    "OPCW Untersuchungen legen nahe, dass die Herkunft des Skripal-Giftes nicht festgestellt werden kann und die diesbezüglichen britischen Behauptungen folglich als unseriös zu betrachten sind."
    Aber was macht die Zeit stattdessen? Sie titelt das genaue Gegenteil. Bravo. Da zahlt es sich doch wieder mal aus, dass die Zeit-Chefredaktion in einem halben Dutzend NATO-Fanclubs Mitglied ist.*


    [*] Wir erinnern uns: Der Herausgeber der Zeit sowie einer seiner Journalisten haben bis vor den deutschen Bundesgerichtshof geklagt, um zu verhindern, dass ihre Mitgliedschaft in diversen NATO-Fanclubs öffentlich genannt werden darf.
    Sie sind aber mit ihrem "Anliegen" letztinstanzlich abgeblitzt, weil das Gericht festgestellt hat, dass diese Mitgliedschaften ja eine Tatsache sind und man wohl kaum das verbreiten von Tatsachen verbieten könne ;)
     
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