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Atom ja/nein ist nicht die Frage

Dieses Thema im Forum "Atompolitik" wurde erstellt von christian_76, 6. 03. 2012.

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  1. christian_76

    christian_76

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    "Nachhaltigkeit" - mit dem vermeintlich wissenschaftlichen Modewörtchen, dass unsere Polittrottel so gerne in die Waagschale werfen, ist es nicht weit her: Atom ist keine saubere Sache; einige der Materialien, wie sie aus Kostengründen zur Herstellung von Solarzellen benötigt werden, offenbar auch nicht:


    Artikel auf Focus.ch: PhotovoltaikGift auf dem Dach, Dienstag, 15.02.2011, 10:49 · von Bernd Müller

    Gescher, Colexon Energy AG Firmen mit konkurrierenden Technologien haben eine Allianz gegründet und kämpfen gegen die Kadmium-Verbreitung

    Strom aus Solarzellen gilt als ökologisch korrekt. Doch das Saubermann-Image ist bedroht, weil der Marktanteil von Modulen explodiert, die giftiges Kadmium enthalten. Befürworter und Gegner kämpfen mit harten Bandagen.

    Wie schmutzig darf sauber sein? Diese kniffelige Frage stellt sich derzeit die Photovoltaik-Branche. Der Fall: Einige Hersteller, darunter Calyxo und der Weltmarktführer First Solar, setzen auf Dünnschichtsolarzellen mit Kadmiumtellurid als Halbleitermaterial. Diese Module sind weit billiger als herkömmliche Siliziumzellen – pro Watt Leistung zahlt der Kunde weniger als einen Dollar. Und sie haben einen großen Anteil am Solarboom der letzten Jahre, ihr Marktanteil liegt bereits bei über zehn Prozent. Das ist gut fürs Klima, weil weniger Kohle in Kraftwerken verfeuert wird und weniger CO2 in die Atmosphäre gelangt.
    Allerdings ist über die Wirkung von Kadmiumtellurid auf die Gesundheit wenig bekannt. Kadmium-Verbindungen sind generell giftig, sie schädigen vor allem Nieren und Nerven. So ist unter den Herstellern ein heftiger Streit entbrannt, ob eine Technologie auch dann „sauber“ ist, wenn sie etwas Gift enthält. Eskaliert ist der Streit 2010, als die EU über eine Novellierung der sogenannten RoHS-Richtlinie (Restriction of Hazardous Substances) entscheiden musste. Diese Richtlinie 2002/95/EG zur Beschränkung gefährlicher Stoffe soll die Verbreitung von schädlichen Chemikalien eindämmen, in erster Linie in der Wegwerfelektronik. Insbesondere verbietet sie Blei in Lötverbindungen. Die Grenzwerte für Quecksilber, Blei, Kadmium sowie weitere Stoffe und Verbindungen enthalten allerdings Ausnahmen, zum Beispiel für Leuchtstofflampen – und für Solarzellen.


    Allianz gegen Kadmium
    Diese Ausnahme ist den Vertretern der „Non-Toxic Solar Alliance“ ein Dorn im Auge. In dem Verein haben sich zahlreiche Hersteller zusammengeschlossen, natürlich nur solche Unternehmen, die auf Siliziumtechnologie setzen und damit ohne Kadmium auskommen. Die Allianz, die sich im Gründungsprotokoll als Interessenvertretung der unterzeichnenden Firmen zu erkennen gibt, fordert von der EU eine Rücknahme der Ausnahme in der RoHS-Richtlinie.
    Das wäre das Ende von Kadmiumtellurid in Solarzellen und wohl auch das Ende des Aufstiegs von First Solar. Die gescholtene Firma wähnt hinter dem Verein einen Angriff der Konkurrenz aus rein kommerziellen Interessen und wehrt sich mit einem Aufgebot an Lobbyisten in Brüssel und Berlin, die Werbung für Kadmiumtellurid machen sollen. Ihr wichtigstes Argument: Wenn man auf die preisgünstigen Kadmiumtellurid-Module verzichtet, bei denen sich die Kosten schneller als bei anderen amortisieren, sei Sonnenstrom nicht konkurrenzfähig zu Kraftwerksstrom. Und was immer zieht: Arbeits-plätze. First Solar wurde bei Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck vorstellig und wies auf den möglichen Verlust von 600 Stellen im Werk Frankfurt/Oder hin.


    Energiesparen rechtfertigt nicht alles
    Die Gegner kontern: „Ausgerechnet die grüne Umwelttechnologie Photovoltaik ruft nach Ausnahmen in dem ohnehin schon schwachen Gesetz“, sagt Milan Nitschke, der in Brüssel und Berlin für die Position seines Arbeitgebers Solarworld wirbt. Dieser Widerspruch ist auch Jürgen Werner ein Dorn im Auge. Der Leiter des Instituts für Physikalische Elektronik (IPE) der Universität Stuttgart ist einer der Mitbegründer der Non-Toxic Solar Alliance. „Eine schmutzige Technologie wird nicht dadurch sauber, dass sie Energie spart“, betont Werner. Nach diesem Prinzip leitet er auch sein eigenes Institut. Das IPE hatte schon viele Jahre in der Photovoltaik gearbeitet, bevor Werner dort Professor wurde. Dabei fielen vier Tonnen Giftmüll im Keller an. Daraufhin sei man ausgestiegen aus der Kupfer-Indium-Gallium-Diselenid-Technologie (CIGS, auch CIS genannt). Es handelt sich dabei ebenfalls um eine Dünnschichttechnologie – Selen ist zwar ein wichtiges Spurenelement, aber in höheren Dosen giftig.
    Laut Milan Nitschke ist der rasche Ausbau der Sonnenstromgewinnung in Europa keineswegs gefährdet, weil auch die Silizium-Fraktion die Kosten pro Watt jährlich um zehn Prozent senkt. Die Mitstreiter von Solarworld in der Anti-Gift-Allianz wie Bosch Solar, Photovoltech oder Wacker haben allerdings ebenfalls noch Hausaufgaben zu machen: Die Lote zum Verbinden der Leiterbahnen enthalten teilweise noch Blei. Bleifreie Lote gibt es zwar, aber noch nicht in ausreichenden Mengen. Dafür werden Technologien entwickelt, um das Eindringen der Lote mit dem Laser zu unterstützen.

    Aber darum geht es nicht - es geht um etwas ganz anderes: Die Uran & Silizium Vorräte unseres Planeten werden eines Tages erschöpft sein...Was dann noch übrig bleibt ? Wasser und Wind - aber nur, solange die Sonne scheint.
    Findige, "nachhaltig" denkende Köpfchen sind also gefragt, wenn es darum geht, unsere Nachkommen vor einem energiebedingten "Shut down" zu bewahren...
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 6. 04. 2014
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  2. Alexander

    Alexander Parteilos

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    AW: Atom ja/nein ist nicht die Frage

    Silizium ist das zweithäufigste (!) Element in der Erdkruste. Da gibts noch ein paar andere Dinge, die vorher erschöpft sind ;-)

    In deinem Link steht übrigens auch rein gar nichts von erschöpften Siliziumvorkommen - dort geht es darum, dass Kadium gefährlich ist. Aber Kadium wird nicht zwingend zur Herstellung von Solarzellen benötigt, es ist nur eine dreckige dafür aber günstigere Möglichkeit, solche herzustellen.

    Trotzdem ist die Erschöpfung gewisser Rohstoffreserven (Silizium gehört da wie gesagt nicht so wirklich dazu ;-) ) ein echtes Problem welches von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weitgehend ignoriert wird. Darauf habe ich hier ja schon desöfteren vehement hingewiesen.

    Wichtig wäre deshalb, dass man diese Problematik ins Bewusstsein rückt und vor Allem endlich gegen die sinn- und rücksichtslose Rohstoffvernichtung die bei uns in gigantischem Ausmass stattfindet wirksame Regelungen erlässt.
    Das wird aber wie gesagt nicht in der benötigten Geschwindigkeit und im benötigten Umfang passieren, weil sich die bürgerliche Politik natürlich bis zum Tod gegen sinnvolle Regelungen wehren wird.
     
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  3. Rolf

    Rolf Guest

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    Wer sind 'unsere Polittrottel'?

    Wer sind 'unsere Polittrottel'? Und wie lautet bitte deine Frage?
     
  4. Vox borealis

    Vox borealis Parteilos

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    AW: Atom ja/nein ist nicht die Frage

    Weil die Uranvorräte zur Neige gehen, sucht und findet die KKW-Industrie neue Vorkommen mit niedrigerem Urangehalt. Uran wird schon bald in Nordfinnland abgebaut werden. Die Betreiber machen dafür bis zu 50 Mio Euro locker:

    http://www.talvivaara.com/media-en/...e/t=talvivaara-uranium-permitting/id=27504542

    Das gewonnene Uran soll zur Anreicherung nach Kanada geschifft werden. Die Kanadier wollen bis zu 60 Mio USD in das Projekt einschiessen. Die Atomindustrie sieht also ihr Geschäft weiterhin als ungefährdet an.
     
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  5. Alexander

    Alexander Parteilos

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    AW: Atom ja/nein ist nicht die Frage

    Hab neulich gehört, dass die teilweise schon mehr Energie in Form von fossilen Brennstoffen in die Gewinnung und Raffinierung des Urans reinstecken, als die dann aus der gewonnenen Menge an Uran rausholen können.

    Kombiniert man das mit der schon seit längerem bekannten Story, dass andererseits damit begonnen wurde, Öl aus Ölsand und ähnlichem zu gewinnen, wobei wiederum mehr Energie in Form von Atomstrom reingepumpt werden muss, als man in Form von fossilen Brennstoffen rausholen kann, ergibt das die ultimative Energievernichtungsmaschine. Erdöl wird ineffizient mit Atomstrom gewonnen und gleichzeitig wird Atomstrom ineffizient mit Erdöl gewonnen. Geniales Konzept. Aber da die Politik sowas ja fleissig subnevtioniert, zahlt es sich am Ende für die Energiemafia vielleicht sogar aus oO
     
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  6. Sandra

    Sandra

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    AW: Atom ja/nein ist nicht die Frage

    Das stimmt so sicherlich nicht. Das würde schon mal ökonomisch nicht aufgehen.
    Und zudem ist das Verhältnis bei den Athabasca Ölsandminen etwa 1:4. Das grössere Problem da ist der Wasserverbrauch, bzw die Wasserverschmutzung.
     
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  7. Alexander

    Alexander Parteilos

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    AW: Atom ja/nein ist nicht die Frage

    Da denkst du etwas zu kurz. Das kann ökomomisch sehr wohl aufgehen, da (milliardenschwer subventionierter) Atomstrom ja deutlich günstiger sein kann als fossile Energieträger.

    Nehmen wir an (Zahlen sind völlig aus den Fingern gesogen) ich brauche 1.5 GWh Atomstrom um das äquivalent von 1GWh Erdöl aus dem Sand zu fördern.
    Nehmen wir weiter an, 1GWh Atomstrom kostet nur die Hälfte von dem, was ich für das äquivalent von 1GWh in Erdöl bekomme,
    Schwups - schon bin ich finanziell in der Gewinnzone, auch wenn ich real Energie vernichtet statt gewonnen habe.

    (Und nehmen wir weiter an, dass das Land was Uran abbaut gleichzeitig noch Erdöl fördert und dieses somit 'günstig' beziehen kann, kann es damit auch unrentabel Uran fördern, das es dann wiederum teuer an AKW-Länder verkaufen kann, die ja viel Geld für den Uraneinkauf zur Verfügung haben, weil sie ja bis unter die Schädeldecke subventioniert werden.. ;))

    Ja, hab auch gehört dass die momentan noch in der 'positiven' Zone sind (also abgesehen von der gigantischen Umweltzerstörung natürlich). Allerdings soll die Effizien bereits jetzt sinken, weil die Gewinnung sich kompliziert.
    Aber eben. Dafür haben sie jetzt schon drei mal mehr CO2 Ausstoss als gewöhnliche Erdöl-Förderung.
     
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