1. Willkommen auf POLITIK-FORUM.CH - der grössten interaktiven Politik-Plattform der Schweiz

    Über 3`600 registrierte Mitglieder, 6`800 Themen und 320`000 Beiträge!

    Folgen Sie uns auf Google+ / Twitter / Facebook
  2. Zutreffendes Statement von Benutzer Tapir mit 1800 Beiträgen an ein neues Mitglied:

    "Wenn du tatsächlich fundierte Kritik übst, dann hat wohl niemand etwas dagegen. Grundsätzlich üben wir hier eine Art "Selbstmoderation"
    Dieses Forum funktioniert, weil die User die Grenzen des Anstands kennen und (meist) wahren.
    Von Zeit zu Zeit geraten sich die User indes persönlich etwas in die Haare; sei davon nicht irritiert - man kennt und neckt sich hier teilweise schon ein Jahrzehnt."

Alle Einkommen aus Erbschaften in die jährliche Steuererklärung

Dieses Thema im Forum "Initiativen / Abstimmungen / Wahlen" wurde erstellt von Rolf, 9. 04. 2015.

Alle Einkommen aus Erbschaften in die jährliche Steuererklärung 4.7 5 3votes
4.7/5, 3 Bewertungen

  1. Rolf

    Rolf Guest

    Neuer Benutzer
    Immer wieder wird gegen die Erhebung von Erbschaftssteuern Sturm gelaufen. Und immer wieder wird gegen besseres Wissen der buchhalterische Unsinn unterstellt, solche Einkommen würden mehrmals besteuert.

    Tatsache ist, dass eine Erbschaft ein Einkommen ist, das aus dem Vermögen einer verstorbenen natürlichen Person auf erbberechtigte natürliche und/oder juristische Personen übertragen wird. Nach Bundesverfassung wäre der ganze geerbte Betrag von jedem Erben als Einkommen zu versteuern. Das geschieht aber nicht.

    Die Erbschaftssteuer-Initiative will nun kurzfristig wenigstens die wirklich ganz grossen Erbschaften besteuern, in den nächsten Jahren in grosser Zahl anfallen werden. Kleinere Unternehmungen werden geschont. Auch grössere Unternehmungen kommen durch die Aufteilung des Firmenvermögens an die Erben nicht in Schwierigkeiten, wenn einfach die Aktien des Verstorbenen vererbt werden.

    Langfristig sollten alle Einkommen aus Erbschaften ganz einfach in der jährlichen Steuererklärung ausgewiesen und nicht gesondert behandelt werden. Vorstösse müssten in diese Richtung gehen.

    Was meinen Sie zu diesem Vorschlag?
     
  2. Alexander

    Alexander Parteilos

    Top Benutzer
    Registriert seit:
    29. 04. 2011
    Beiträge:
    3.045
    Zustimmungen:
    572
    Ort:
    Luzern
    Ja, das sind halt die üblichen Scheinargumente, mit denen man die dümmlich-verhetzt-leichtgläubige Mehrheit davon überzeugen will, gegen die eigenen Interessen zu stimmen.

    Selbstverständlich ist die Aussage "das wurde vom Erblasser bereits versteuer" ziemlich absurd, weil mit dieser Logik ja keinerlei Steuern mehr erhoben werden könnten. Aber bei gewissen Teilen der Bevölkerung zieht so ein Quatsch offenbar, deswegen wird er verbreitet.

    In den Tagi-Kommentaren hat irgend ein Spezialist sogar "argumentiert", eine Erbschaftssteuer verstosse gegen die allgemeine Erklärung der Menschenrechte, welche das Recht auf Eigentum garantiere. So lange man es mit solchen Komikern zu tun hat, muss man sich natürlich nicht mehr wundern... (grundsätzlich zeigen die Kommentare beim Tage, dass wohl mal wieder ein erheblicher Teil der Bevölkerung nicht die leiseste Ahnung hat, worüber eigentlich abgestimmt wird.)
    Die Erbschaftssteuer entlastet den Mittelstand in steuerlicher Hinsicht sogar tendentiell. Denn die meisten Kantone kennen ja heute bereits Erbschaftssteuern, die in der Regel bereits deutlich unter 2 Millionen zuzulangen beginnen. Diese würden dann wegfallen.

    Die Erben eines "typische" Mittelständlers, der ein Sparkonto, einen Goldbarren oder ein Ein- bis Dreifamilienhaus (dessen Steuerwert ja oft deutlich tiefer ist als der Marktwert) zu vererben hat, würden in Zukunft keine Erbschaftssteuer mehr bezahlen, wo sie das heute in der Regel müssen.
    Mehr bezahlen würden nur die Erben von Erblassern, die über 2 Millionen (Steuerwert) hinterlassen. Also ein ziemlich kleiner Prozentsatz der Gesamtbevölkerung.


    Du meinst, dass Erbschaften einfach zum normalen Erwerbseinkommen des Jahres, in dem die Erbschaft anfällt, addiert werden sollten?
     
    ---------------------------------------------------------------
    Jetzt kostenlos registrieren und mitdiskutieren!
  3. tapir

    tapir Parteilos

    Top Benutzer
    Registriert seit:
    6. 01. 2006
    Beiträge:
    2.296
    Zustimmungen:
    71
    Geschlecht:
    männlich
    Ort:
    Zürich
    Wieso absurd? Genau das ist ja die Idee: Einkommen wird versteuert, Vermögen nicht. Geht in die gleiche Richtung wie das hier:

    Ist nun mal so, da wir, auch wenn ihr es nicht wahrhaben wollt, (noch) nicht im Kommunismus leben.

    Oder angenommen, du wohnst seit Kindesalter in einem unverschuldeten Häuschen (seit Ewigkeiten in Familienbesitz), bist dazu invalide oder sonst irgendwie einkommensschwach. Dann sterben deine Eltern und hinterlassen dir das Häuschen... Soweit so normal.

    Und jetzt wollt ihr, dass in diesem Fall der Staat anklopft, sagt, dass das Haus 800'000 wert ist und dass darauf 250'000 Steuern anfallen. Um diese zu begleichen, musst du das Haus verkaufen und mit den verbleibenden 550'000 in eine Mietwohnung (oder wenn du Glück hast am A... der Welt in eine kleine Eigentumswohnung) umziehen - und verarmst dann, wie so viele andere in diesem Land.
    Na bravo. Grossartige "sozial"-demokratische Politik mal wieder!
     
    ---------------------------------------------------------------
    Jetzt kostenlos registrieren und mitdiskutieren!
  4. Alexander

    Alexander Parteilos

    Top Benutzer
    Registriert seit:
    29. 04. 2011
    Beiträge:
    3.045
    Zustimmungen:
    572
    Ort:
    Luzern
    Was du offenbar nicht wahrhaben willst, ist, dass die Erbschaftssteuer etwas ganz anderes bewirktt, als dir die Multimillionäre eingeflüstert haben, denen du offenbar unkritisch auf den Leim gehst:

    Denn mit deinem Rechenbeispiel zeigst du ja gerade, dass die Erbschaftssteuerinitiative unbedingt angenommen werden muss.

    Bei Annahme der Erbschaftssteuerinitiative wäre ein Haus von 800'000 .- steuerfrei. D.h. der Invalide aus deinem Beispiel würde keinen Rappen Erbschaftssteuer bezahlen.

    Wird die Initiative hingegen abgelehnt, so würden für das Häuschen in den meisten Kantonen (wie bisher) durchaus Erbschfssteuern fällig.

    Kurzum: Der Invalide Mittelstandserbe aus deinem Beispiel profitiert von Annahme der Initiative.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. 04. 2015
    ---------------------------------------------------------------
    Jetzt kostenlos registrieren und mitdiskutieren!
    Alexander, 10. 04. 2015
    Last edited by Alexander; at 10. 04. 2015
    #4
  5. tapir

    tapir Parteilos

    Top Benutzer
    Registriert seit:
    6. 01. 2006
    Beiträge:
    2.296
    Zustimmungen:
    71
    Geschlecht:
    männlich
    Ort:
    Zürich
    Zugegeben: touché.

    Trotzdem: Bereits versteuertes Geld versteuern ist nichts anderes als Diebstahl.
    Und das mit der Rückwirkung geht schon mal gar nicht.
     
    ---------------------------------------------------------------
    Jetzt kostenlos registrieren und mitdiskutieren!
    tapir, 10. 04. 2015
    Last edited by tapir; at 10. 04. 2015
    #5
  6. Alexander

    Alexander Parteilos

    Top Benutzer
    Registriert seit:
    29. 04. 2011
    Beiträge:
    3.045
    Zustimmungen:
    572
    Ort:
    Luzern
    1. Die meisten Kantone (soviel ich weiss alle ausser einem) kennen bereits jetzt eine Erbschaftssteuer. Die wäre demnach ebenfalls Diebstahl.
    Der Unterschied ist, dass die bestehenden Erbschaftssteuern meist bereits bei kleineren Beträgen fällig werden (in Luzern z.B. bereits ab 100'000 bei Nachkommen, bei ferner Verwandten oder nicht-Verwandten sogar ohne Freigrenze), während sie bei der Initiative erst ab einer Erbmasse von über 2 Millionen (und auch dann nur auf den Teil der darüber liegt) fällig würden.
    D.h. selbst wenn Erbschaftssteuern grundsätzlich Diebstahl wären (wie du behauptest), dann würde die Initiative dafür sorgen, dass beim Mittelstand weniger gestohlen würde als bisher.
    Es handelt sich hier also nicht um eine Grundsatzfrage "Steuer Ja oder Nein" (so stilisieren es aber die Multimillionäre gerne, weil sie hoffen, damit selbst die ärmsten Schlucker auf ihre Seite zu ziehen, was vermutlich sogar klappen wird), sondern um die Frage, ob man mit dieser Steuer (wie bisher) auch den Mittelstand treffen will, oder neu nur noch die Multimillionäre - diese dafür in höherem Masse.

    2. Deine Argumentation bezüglich des "bereits versteuerten Geldes" finde ich allerdings aus mehreren Gründen falsch:

    Zunächst muss man sich ja die Frage stellen: Wer hat das Geld denn schonmal versteuert? Der Erbe sicher nicht. Allenfalls der Erblasser.
    Und wenn man so anfangen will zu argumentieren, dass jeder Franken nach seiner "Schöpfung" nur ein einziges mal besteuert werden darf, dann könntest du bald gar keine Steuern mehr erheben. Denn das Geld befindet sich ja ständig im Umlauf und wurde in den allermeisten Fällen immer schon bei x Vorbesitzern besteuert. So funktioniert logischerweise das Steuersystem: Steuern werden in der Regel dann fällig, wenn Geld (Besitz) den Besitzer wechselt. Und genau das ist ja bei einer Erbschaft der Fall. (Wie auch bei einem Kauf oder bei einer Lohnzahlung.)

    In zweiter Linie sehe ich in der Erbschaftssteuer (gerade wenn sie eben erst im Multimillionenbereich zu greifen beginnt) auch einen sanften Faktor des Ausgleichs gegenüber einen erblichen Kapitaladel.
    Denn auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen ist es nunmal meist so, dass etwas was ich besitze zugleich auch etwas ist, was ein anderer nicht besitzen kann. Und wenn ich beispielsweise 200 Häuser und einen Arsch voll Geld besässe, weil per Zufall mal mein Urgrossvater ein stattliches Vermögen erarbeitet (oder ergaunert) hat, dann fände ich die Erbschaftssteuer natürlich ärgerlich, aber ich fände es trotzdem gegenüber meinen Mitmenschen schwierig zu rechtfertigen, wieso nach meinem Tod nicht wenigstens ein kleiner Teil dieser Häuser wieder auf den Markt kommen sollten, damit auch andere Leute die Chance auf ein bisschen Grundbesitz haben. Die grosse Mehrheit würde ja nach wie vor an meine Erben übergehen, die nota bene genausowenig für diese 200 Häuser getan hätten wie ich.
    Und ein solches Beispiel ist eben nichtmal sonderlich fiktiv. In Luzern gibt es beispielsweise eine Privatperson, die über 1000 Wohnungen besitzt (das sind immerhin etwa 2,5% der siebtgrössten Stadt der Schweiz, recht stattlich, für einen Privaten im 21. Jh.). Und dort handelt es sich lustigerweise im wahrsten Sinne des Wortes um Erbadel, denn der Glückliche stammt tatsächlich von einer mittelalterlichen und neuzeitlichen Patrizierfamilie ab, die schon seit Jahrhunderten ausgedehnten Grundbesitz im ganzen Kanton hat.
    Ich finds wirklich schwierig zu erklären, wieso dessen Erben 1000 Wohnungen in die Wiege gelegt würden, selbst wenn sie ihr Leben lang nie gearbeitet hätten, während der Durchschnittsbürger sich heute in Luzern auch nach Jahrzehnten harter Arbeit kaum eine Eigentumswohnung leisten kann (die Kosten ja inzwischen idR auch 1 Million aufwärts).

    Wenn man vom Recht auf Privatbesitz ausgeht, dann ist damit sicher nicht das Recht auf Akkumulation und Vererbung von Unmengen an Grundbesitz gemeint. "Mein Ururuurruropa war halt ein Adeliger und dein Ururururruropa nur ein leibeigener Bauer" ist in einer Demokratie des 21. Jahrhunderts einfach ein verdammt schlechtes Argument um zu rechtfertigen, wieso man selber vom Geburt an zig Häuser besitzt, während für alle anderen die Preise auf dem Immobilienmarkt unerschwingliche Ausmasse annehmen.
     
    ---------------------------------------------------------------
    Jetzt kostenlos registrieren und mitdiskutieren!
    Pallas Athene gefällt das.
  7. Rolf

    Rolf Guest

    Neuer Benutzer
    "Du meinst, dass Erbschaften einfach zum normalen Erwerbseinkommen des Jahres, in dem die Erbschaft anfällt, addiert werden sollten?"

    Ja, genau das meine ich, Herr Alexander.
     

Diese Seite empfehlen