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99% Initiative

Dieses Thema im Forum "Initiativen / Abstimmungen / Wahlen" wurde erstellt von Alexander, 4. 10. 2017.

  1. Alexander

    Alexander Parteilos

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    Frage / Anliegen:

    Die 99% wurde lanciert

    Heute wurde ja die Initiative lanciert, die fordert, dass Kapitalgewinne stärker (statt wie bisher weniger stakr) besteuert werden sollen im Vergleich zu Einkommen aus anständiger Arbeit.

    Die Initiative wird selbstverständlich haushoch scheitern, denn mindestens 80% des Stimmvolkes werden gar nicht verstehen, was die Initiative fordert - nur schon weil sich viele von ihnen schlicht nicht vorstellen können, dass heute Kapitalgewinne absurderweise weniger stark besteuert werden als Einkommen aus anständiger Arbeit.

    Die Abzocker haben auch bereits ihre Desinformationskampagne gestartet, noch bevor auch nur eine einzige Unterschrift gesammelt wurde.
    So faselte beispielsweise heute im Radio SRF der "Chefökonom" von Avenir Suisse allen Ernstes, die Initiative würde einen Steuersatz von 150% auf Kapitalgewinne verlangen, was ja einer Konfiskation von Eigentum gleichkäme.*

    Mit Verlaub, aber es kann mir doch keiner erzählen, ein Dr. oec. & Lehrbeauftragter am mereren Wirtschaftsschulen kenne die Definition von "Steuersatz" nicht. Der Typ hat einfach brandschwarz ins Mikrofon gelogen, weil wir ja aus Erfahrung wissen, dass es genügend verblödete Wutbürger gibt, die jeden noch so grotesken Schwachsinn glauben. Besonders wenn man ihre Debilität zuvor noch mit Schlagworten wie "tief in die altmarxistische Mottenkiste gegeriffen" triggert.


    Ich bin ziemlich sicher: Wenn man den Leuten sagen würde, dass es aktuell so ist, dass arbeitsfreie Kapitalgewinne deutlich weniger besteuert werden als Arbeitseinkommen, dann würde die Mehrheit sagen, dass dies widersinnig und ungerecht ist. Und genau weil dem so ist, wird die Kampagne der Abzocker jetzt jahrelang mit solchen Lügenmärchen dafür sorgen, dass dieser Sachverhalt gar nie bis zu den Stimmbürgern durchdringt.



    (* Für die die noch nichts von der Initiative gehört haben: Diese fordert nichts dergleichen. Eine solche Forderung wäre ja auch völlig absurd, weil sie bedeuten würde, dass man den gesamten Kapitalgewinn an den Staat abliefern müsste - und anschliessend sogar noch 50% draufzahlen. Aber die Kommentarspalten der Onlinemedien legen nahe, dass ein Grossteil der Superhirne bereits fest davon überzeugt ist, dass genau das die Forderung der Initiative sei o_O)
     
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  2. Rico

    Rico FDP

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    Wir haben aber bereits eine Vermögenssteuer, im Gegensatz zu den meisten Ländern. Mit der Vermögenssteuer wird Kapital versteuert, das ja bereits als Einkommen versteuert worden ist. Es ist also nur richtig, dass diese Steuersätze tiefer sind als bei der Einkommenssteuer.

    Es ist auch durchaus richtig, dass bis 150% Steuer gefordert wird, man also das 1 1/2-fache des Kapitalgewinns abliefern müsste. "Zückerchen" - wie so oft bei solchen ultralinken Forderungen - wäre ein Freibetrag von 100'000 Franken, sodass die meisten Leute sagen könnten, "betrifft mich ja nicht, also kann man Ja sagen". Wie Du aber richtig voraussiehst, sind die Schweizer nicht derart blöde und die Initiative, wenn sie denn zustande käme, würde abgelehnt.
     
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  3. razzar

    razzar

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    Aber mal ehrlich, wenn wir das Superreiche 1% vertreiben, dann gehen wir drauf oder? Das wäre der Schweizuntergang nicht wahr? Und alle wären auch gerne so erfolgreich.
    Deswegen, und natürlich nicht wegen den JUSO, müssen wir eher dieses 1% noch mehr beschenken und diese Initiative sowas von bachab schicken. Die meisten der anderen 99% werden gerne noch mehr Steuern und Abgaben bezahlen wenn doch die Alternative so schlecht ist. Man kann immer noch am Sozialen und an der Bildung sparen und Ausländer heim schicken versuchen um etwas zu kompensieren. Da ist noch Spielraum frei um ungehindert bequem abhängig sein zu dürfen.
     
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  4. Alexander

    Alexander Parteilos

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    Äpfel und Birnen.

    Die 99% Initiative befasst sich mit der Kapitalgewinnsteuer, nicht mit der Kapitalsteuer.

    Sie stellt keinerlei Forderungen bezüglich der Frage, wie das Kapital versteuert werden soll, sondern nur bezüglich der Frage, wie Kapitalgewinn, also typischerweise arbeitsfreies Einkommen, versteuert werden soll.

    Und es ist nunmal schwer nachvollziehbar, wieso jemand der für einen Betrag X arbeitet einen grösseren Teil dieses Betrages X an den Fiskus abliefern muss als jemand der den Betrag X in Form von Zinsen und Dividenden erhält, also typischerweise, ohne dafür gearbeitet zu haben.


    So ein Unsinn.
    Es wird kein Steuersatz von 150% gefordert, sondern es wird gefordert, dass Kapitalgewinn verglichen mit Arbeitseinkommen zum Faktor 1,5 besteuert wird. Also schlicht und einfach, dass diejenigen die für ihr Geld arbeiten steuerlich nicht mehr schlechter gestellt sind als die Superreichen, die Jahr für Jahr fürstliche Summen aus arbeitsfreien Kapitalgewinnen einfahren.
    Unter keinen Umständen führt dies zu einem Steuersatz von 150% (und auch nicht annähernd 100%). D.h. es führt auch unter keinen Umständen dazu, dass man das 1 1/2-fache des Kapitalgewinns abliefern müsste. Oder zahlt irgendwer auf sein Arbeitseinkommen einen Steuersaz von 100%? Natürlich nicht, weil dann wäre ja jeder längst Pleite.


    Aber meine Prognose scheint sich ja zu besätigen: Ein Grossteil der Bevölkerung ist mit Primarschulmathematik überfordert und ein paar oberdreiste FDP-Heinis lügen noch öffentlich rum, damit das Volk bei seinen wirren Missverständnissen bleibt.
    Bin mir nur noch nicht ganz sicher ob du zu welcher der beiden Gruppen du gehörst o_O
     
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  5. Beat

    Beat Parteilos

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    Frage: Geht es um Kapitalgewinne (Spekulationsgewinne) oder um Kapitalrenditen (Zinsen, Dividenden, Tantieme)?

    Und eine Bemerkung: Auch Kapitalrenditen und Kapitalgewinne sind erarbeitetes Geld, nur nicht erarbeitet von denjenigen, welche sie einheimsen, sondern von jenen, welche wertschöpfend arbeiten und ihr Einkommen versteuern.
    Meines Wissens werden Kapitalrenditen heute schon als Einkommen versteuert, vorausgesetzt, der Steuerpflichtige deklariert sie. Ansonsten greift die Verrechnungssteuer.
     
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  6. Alexander

    Alexander Parteilos

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    Damit es nicht zur Verwirrung kommt:

    Der Initiativtext spricht von Kapitaleinkommen. Gemeint sind Zinsen und Dividenden.

    (Also nicht Kapitalgewinne im Sinne von Wertzuwachs eines Aktieninvestments.)


    Was die Besteuerng angeht ist es heute z.B. so, dass Dividenden von Grossaktionären auf Bundesebene nur im Umfang von 60% besteuert werden. Auf Kantonsebene z.T. noch weniger.
    D.h. wenn ein Industrieller z.B. eine Million Einkommen aus Dividenden der Aktien seiner Firma erzielt, so muss er von dieser Million auf Bundesebene nur 600'000 als Einkommen versteuern (zum jeweils geltenden Steuersatz), während er 400'000 komplett Steuerfrei einstreicht, d.h. auf die 400'000 kein Promille Einkommenssteuer zahlt.
    (Auf Kantonsebene ist es z.T. wie gesagt sogar noch günstiger.)

    Damit zahlt also jemand der sein Einkommen in Form von Dividenden erhält deutlich weniger Steuern als jemand der das exakt selbe Einkommen in Form von Lohn erhält.

    Obiges gilt wie gesagt nur für Dividenden die man auf Aktien von Firmen erhält, an denen man eine erhebliche Beteiligung (min. 10%) hält.
    Dividenden die man auf Aktien von Firmen erhält, an welchen man keine erhebliche Beteiligung hält werden wie normales Einkommen versteuert.

    Das Anliegen der Initiative ist nun wie gesagt, das arbeitsfreie Kapitaleinkommen steuerlich schlechter (statt wie heute z.T. besser, z.T. gleich) zu stellen als das Arbeitseinkommen.
    D.h. gefordert wird, dass der Grossaktionär der eine Mio aus Dividenden seiner Firma erhält diese nicht versteuern muss, wie wenn es nur 600'000 wären, sondern wie wenn es 1,5 Mio wären. Bzw. genaugenommen etwas weniger, wegen des Freibetrags.
    (Mit einem Steuersatz von 150% bei dem man am Ende mehr abliefern müsste als man eingenommen hat hat das wie gesagt nichts zu tun.)
     
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    Alexander, 5. 10. 2017
    Last edited by Alexander; at 5. 10. 2017
    #6
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  7. Rico

    Rico FDP

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    Schon klar. Die Kapitalsteuer ist die Vermögenssteuer (die es so fast nur in der Schweiz gibt). Man bezahlt eine Steuer auf das Kapital, das auf der Bank liegt, in Form von Wertschriften und Bargeldkonti.
    Diese Konti und Wertschriften werfen einen Zins ab, Dividenden, etc. Das wird hier als Gewinn bezeichnet. Den versteuert man in der Schweiz als Einkommen zum Einkommenssteuersatz. Und da dieser Gewinn das Arbeits-Einkommen erhöht, zahlt man jetzt schon einen höheren Steuersatz (Progression) als ohne diese Wertschrifteneinkommen.

    Jetzt sollen also diese Kapitalgewinne viel höher versteuert werden, nicht das gewinnabwerfende Kapital selber, sondern die daraus erzielten Renditen. Zwar mit einem Freibetrag von 100'000 Franken, aber trotzdem.
    Da die Kapitalgewinne zum Einkommen zugezählt werden und den Steuersatz für die Einkommenssteuer erhöhen, schenkt das dann gleich noch mehr ein.

    Gab's aber in Schweden. Die Betroffenen sind nicht Pleite gegangen, sondern haben Schweden verlassen.

    Steuerberechnungen bezeichnest Du als Primarschulmathematik? Du hast echt nie mit Steuerberechnungen zu tun gehabt. Behaupte ich jetzt mal.
    .
    Zu beiden :p.
     
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